Niederösterreichs Bäcker gestalten ihre Zukunft.

Mut zu neuen Wegen, innovative Ideen und Leidenschaft für das Handwerk: Beim zweiten Zukunftstag der niederösterreichischen Bäckerinnen und Bäcker am 5. Oktober 2026 in St. Pölten standen die Chancen und Herausforderungen der traditionsreichen Branche im Mittelpunkt. Über 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten der Einladung der Landesinnung der Bäcker der Wirtschaftskammer Niederösterreich und erhielten wertvolle Anregungen für ihren betrieblichen Alltag.

Neue Perspektiven für ein traditionsreiches Handwerk

Wie können Bäckereibetriebe ihre Zukunft erfolgreich gestalten, ohne ihre handwerklichen Wurzeln aus den Augen zu verlieren? Welche Chancen eröffnen neue Technologien, und wie gelingt es, sich mit Qualität, Persönlichkeit und unternehmerischem Mut am Markt zu behaupten? Diesen und weiteren Fragen widmete sich der zweite Zukunftstag. Im Mittelpunkt standen praxisnahe Informationen, persönliche Erfahrungen und inspirierende Einblicke in unterschiedliche unternehmerische Wege. Fachvorträge zu Arbeitsrecht und künstlicher Intelligenz lieferten wertvolle Impulse für den Betriebsalltag. Zwei außergewöhnliche Unternehmerpersönlichkeiten zeigten, dass Erfolg viele Gesichter haben kann – und dass es sich lohnt, den eigenen Weg konsequent zu verfolgen.

Arbeitsrecht im Fokus

Mag. Andreas Geierlehner, LL.M., Leiter der WKNÖ-Bezirksstelle Amstetten, widmete sich aktuellen arbeitsrechtlichen Themen. Gerade für kleinere und mittlere Bäckereibetriebe sind rechtliche Rahmenbedingungen und deren praktische Umsetzung im betrieblichen Alltag von großer Bedeutung. Der Vortrag bot Gelegenheit, sich mit arbeitsrechtlichen Fragestellungen auseinanderzusetzen und offene Fragen direkt mit dem Experten zu diskutieren.

KI statt Kleinkram – mehr Zeit fürs Wesentliche

Wie künstliche Intelligenz den Arbeitsalltag in Bäckereibetrieben erleichtern kann, beleuchtete Simona Nemetz, Expertin der Lebensmittelakademie. Unter dem Motto „KI statt Kleinkram“ zeigte sie auf, welches Potenzial digitale Werkzeuge bieten, um zeitaufwendige Routineaufgaben zu vereinfachen und betriebliche Abläufe effizienter zu gestalten. Im Mittelpunkt stand dabei der praktische Nutzen: weniger administrativer Aufwand und mehr Zeit für das eigentliche Handwerk, die Mitarbeitenden und die Kundinnen und Kunden.

Zukunft aus den Wurzeln des Handwerks

Dass erfolgreiche Wege im Bäckerhandwerk auch abseits klassischer Berufslaufbahnen entstehen können, zeigte Bäckermeisterin Daniela Krenn von „Brot vom Hof“ aus Allhartsberg im Mostviertel. Die ehemalige Molekularbiologin und Forscherin wagte mit 30 Jahren einen beruflichen Neustart und machte ihre Leidenschaft für das Brotbacken zum Beruf. In ihrem Interview standen ihre Philosophie und ihr bewusst eigenständiges Betriebskonzept im Mittelpunkt: höchste Produktqualität, natürliche Zutaten, der Verzicht auf Backmittel und ein überschaubares Sortiment statt möglichst großer Vielfalt. Ihr Beispiel verdeutlichte, welche Chancen in einer klaren Positionierung, regionaler Verwurzelung und authentisch gelebtem Handwerk liegen – und dass unternehmerischer Erfolg nicht zwangsläufig mit immer mehr Wachstum verbunden sein muss.

Mut zum Andersmachen – Josef Zotter über Unternehmertum und Zukunft

Für besondere Inspiration sorgte Schokoladenpionier Josef Zotter, der im Interview mit Mag. Natascha Deák (Serendipity GmbH – Entwicklungsberatung und Kommunikationsagentur) Einblicke in seinen außergewöhnlichen unternehmerischen Werdegang gab. Von den Anfängen als Konditor über die Insolvenz bis zum erfolgreichen Neustart mit einer unverwechselbaren Schokoladenmarke spannte sich der Bogen. Im Mittelpunkt standen der Mut zu unkonventionellen Entscheidungen, der Wert des Handwerks, die Bedeutung einer starken Marke und die Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen. Auch die Unternehmensnachfolge und die Kunst des Loslassens kamen zur Sprache – Fragen, die gerade für viele familiengeführte Bäckereibetriebe von großer Bedeutung sind. Für einen genussvollen Höhepunkt sorgte Zotter mit einer Auswahl seiner außergewöhnlichen Schokoladenkreationen, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort verkosten konnten.

„Die Zukunft unseres Handwerks liegt in unseren eigenen Händen. Wir müssen bereit sein, neue Wege zu gehen, Chancen zu erkennen und Veränderungen aktiv zu gestalten. Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, was unsere Betriebe auszeichnet: Qualität, handwerkliches Können und die Nähe zu unseren Kundinnen und Kunden. Der Zukunftstag hat einmal mehr gezeigt, wie wertvoll der persönliche Austausch und das Lernen voneinander sind. Genau diesen Weg wollen wir gemeinsam weitergehen“, betont Landesinnungsmeister Klaus Kirchdorfer.

Gemeinsam in die Zukunft

Auch abseits der Vorträge und Interviews bot der Zukunftstag ausreichend Gelegenheit für persönliche Gespräche, fachlichen Austausch und neue Kontakte. Unterschiedliche Perspektiven, gemeinsame Herausforderungen und zahlreiche Anregungen für den eigenen Betrieb machten deutlich, wie wichtig der Blick über den Tellerrand ist. Der Tag klang in geselliger Atmosphäre aus – mit neuen Ideen im Gepäck und der Gewissheit, dass die Zukunft des Bäckerhandwerks nicht nur in der Bewahrung seiner Traditionen liegt, sondern vor allem darin, diese mutig weiterzuentwickeln.

Fotos: Tanja Wagner